museum-digitalostwestfalen-lippe

Close
Close
Lippisches Landesmuseum Kunstgeschichtliche Sammlung [K 2010/0108/2010]

Auguste Henriette Casimire zur Lippe

Auguste Henriette Casimire zur Lippe (Lippisches Landesmuseum Detmold CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Lippisches Landesmuseum Detmold / Annika Drewes (CC BY-NC-SA)
"Auguste Henriette Casimire zur Lippe

Provenance/Rights: 
Lippisches Landesmuseum Detmold (CC BY-NC-SA)

"Auguste Henriette Casimire zur Lippe

Provenance/Rights: 
Lippisches Landesmuseum Detmold (CC BY-NC-SA)

Description

Bei der hier abgebildeten Gräfin handelt es sich um die am 21. November 1774 geborene Gräfin Auguste Henriette Casimire Wilhelmine zur Lippe - in der Folge Casimire genannt - die Tochter des Grafen Wilhelm Albrecht August Ernst zur Lippe (1735-1791) und der Wilhelmine von Trotha (1740-1793). Die Eltern heirateten in Brake am 16. Februar 1773, Casimire war ihr erstes Kind. 1804 wurde sie in das Amt der Äbtissin eingeführt, wie auch die Bildinschrift des vorliegenden Gemäldes besagt:
"Auguste Henriette Casimire/Wilhelmine Gräfin und edle/Frau zur Lippe. Abtissin/der Stifter Cappel und Lemgo/introduciert 24ten Ok. 1804./Ferd. Stratman pinxit"
Die Äbtissin ist in einem grünlichen Kleid an einem Tisch sitzend dargestellt. Anders als auf den zuvor gezeigten Bildnissen, stützt sie den linken Ellenbogen auf den Tisch und ihren Kopf wiederum auf die nach oben gehaltene Hand. Durch diese Pose, die durch den rechts schlaff herabhängenden zweiten Arm unterstrichen wird, wirkt das Bild legerer als die vorangegangenen. Auch eine auffällige Inschriftentafel fehlt. Die Inschrift ist auf einem kleinen Zettel zu finden, der wie ein Brief auf dem Tisch vor der Äbtissin liegt. Neben dem Brief liegen auf dem schlichten Holztisch zudem die Orden der Äbtissin, die selbst nur den Bruststern der Stifter trägt. Die diagonale Haltung der Äbtissin von der roten Schuhspitze unten links bis zum Kopf oben rechts entspricht in etwa der Neigung des Äbtissinnenstabs im Hintergrund. Das Haar der Äbtissin ist zu einer zeitgemäßen Frisur gefasst und mit einer Schleife versehen. Der Schmuck ist auf zwei schmale, goldfarbene Armbänder am linken Arm und eine Brosche auf dem roten Halstuch reduziert. Auf dem Boden neben und vor dem einfachen Holzstuhl sind zwei Hunde dargestellt. Der eine hockt neben dem linken Bein der Äbtissin und blickt gelangweilt nach rechts aus dem Bild, der zweite hat eine Pfote auf den rechten Oberschenkel der Äbtissin gelegt und schaut sie im Zweibeinerstand an. Der sitzende Hund deutet auf die fürstlichen Tugenden der Äbtissin hin. Der Hund, welcher die Pfote auf das Bein der Äbtissin legt ist in seiner jetzigen Form einer späteren Überarbeitung des Bildes zuzuschreiben, so dass er hier nicht näher interpretiert werden soll.
Im Hintergrund ist links ein grüner Vorhang mit gelber Innenseite eingefügt, vor welchem, gut sichtbar abgehoben, das lippische Wappen zu schweben scheint. Es ist im Vergleich zu den vorher beschriebenen Bildern nicht verändert. Der Äbtissinnenstab links im Hintergrund weist wieder leichte Veränderungen auf: Der zur krönenden lippischen Rose hinführende Stab ist von zwei Schaftringen unterbrochen, die Rose oben ist aus Umrisslinien und ohne Steine gebildet. Der sie umgebende Kreis ist fast geschlossen, nur links unten bleibt ein kleines Stück geöffnet. Die Farbe des Stabes lässt sich auf Grund der Dunkelheit im Bildhintergrund schlecht feststellen. Casimire starb am 11. Februar 1826.
Ihr Bildnis bildet das Ende der im Lippischen Landesmuseum Detmold vorhandenen Reihe von Äbtissinnendarstellungen. Deutlich ist an dem Bild ein verändertes Selbstbewusstsein der Äbtissinnen zu erkennen, aber auch die Entwicklung des Künstlers. Das Bild zeigt das bekannte Repertoire der Macht der Äbtissinnen (Orden und Stab sowie umhüllende Draperie), durch die Gestik und Mimik vermittelt das Bild aber - anders als seine Vorgänger - auch einen privaten Eindruck der Äbtissin, die so für die Umwelt greifbarer erscheint.
Der Maler Anton Ferdinand Stratmann wurde als Sohn des Paderborner Malers Anton Josef Stratman, eines bekannten Barockmalers, geboren. Dieser lernte in Antwerpen und stand somit in der Tradition der flämischen Malerei. Seine Auftraggeber waren, wie beim Sohn, vornehmlich geistliche und adelige Persönlichkeiten.
Anton Ferdinand Stratman wurde am 1. März 1770 in Paderborn geboren. Sein Pate war der Paderborner Maler Ferdinand Woltemate, der der Taufe in der Marktkirche beiwohnte.
1780 / 81 ist für Anton Ferdinand Stratman der Besuch der Sexta des Gymnasiums Theodorianum in Paderborn nachweisbar, danach erscheint er nicht mehr in den Schullisten. 1791 begleitete er den Transport eines Bildes seines Vaters nach Bigge (Hochsauerland), um es dort dem Käufer zu übergeben. Dies war wohl Teil der Ausbildung, die sein Vater ihm zukommen ließ. 1794 soll er seinem Vater bei der Ausmalung der Klosterkirche Huysburg bei Halberstadt geholfen haben, die Ausbildung soll zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen gewesen sein. Spuren einer akademischen Ausbildung erkennt Nordhoff bei Anton Ferdinand Stratman; Strohmann verneint Spuren einer solchen im Werk des Künstlers. Die Ausbildung beim Vater beeinflusst das Werk des Künstlers stark, so dass nicht von einer zusätzlichen akademischen Ausbildung auszugehen ist.
Am 9. Juli 1799 heiratete Anton Ferdinand Stratman im Dom zu Paderborn Anna Maria Catherina Wischmann (1779-1837). Mit ihr hatte er sieben Kinder, von denen vier früh verstarben. 1800 wurde der Maler mit seiner Familie in die Paderborner Bürgerschaft (Maspernbauernschaft) aufgenommen. 1809 wohnte er zur Miete im Haus Markt 21, an der Stelle des heutigen Diözesanmuseums und bei der damaligen Gaukirche. Wohl noch vor der Geburt des zweiten Kindes zog die Familie dorthin um, um 1814 kehrte sie in die Maspernbauernschaft zurück. Beweggründe hierfür sind nicht bekannt. Ab 1833 ist die Familie im Besitz eines Hauses vor den Toren der Stadt an der Detmolder Straße.

Allein von der Malerei konnte Anton Ferdinand Stratman wohl nicht leben; ab 1802 wird er in den Büchern der Stadt auch als Kaufmann bezeichnet. Am 31. Mai 1808 ernannte ihn Jérôme Bonaparte, König von Westphalen, zum Polizeikommissar. Diese Tätigkeit übte er für die Stadt Paderborn bis 1833 aus. Gemälde des Künstlers lassen sich bis 1837 belegen. Am 2. Februar 1844 verzeichnet das Kirchbuch des Domsprengels, laut Straohmann, den Tod des Malers. Zum Oeuvre Stratmans gehört unter anderem das 1834 entstandene Bildnis des letzten Bischofs von Corvey, das als Auftragsarbeit für den neuen weltlichen Herrn Corveys - Landgraf Victor Amadeus von Hessen-Rotenburg - entstand. Auch in der Kirche in Dahl und im Diözesanmuseum Paderborn sind Werke des Künstlers zu finden. Des Weiteren ist er im Freilichtmuseum in Detmold (Küche des Schönhofes aus Wiedenbrück), in Brakel-Beller (Kapelle St. Josef Schutzfest) und in Marienmünster-Großenbreden (Altarbild der Kapelle) vertreten. Die Bilder Stratmans sind zum Großteil typische Repräsentationsportraits, die dem Barock verhaftet sind. Sie geben Auskunft über die Stellung und die Machtposition der Abgebildeten. Auch die christlich geprägten Werke Stratmans passen gut in das Paderborn der 1830er Jahre, da sie sich nahtlos in die pompöse Kunst der Gegenreformation einfügen.

Material/Technique

Ölfarbe; Leinenstoff / gemalt

Measurements

(H x B x T) 177 x 125 x 7 cm

Was depicted (Actor) ...
... Who: Zur Personenseite: Auguste Henriette Casimire zur Lippe (1774-1826)

Relation to people

Relation to places

Literature

Links / Documents

Keywords

Zeitleiste Objekte zum Tag auf Karte

Lippisches Landesmuseum

Object from: Lippisches Landesmuseum

Das Lippische Landesmuseum Detmold ist das größte und älteste Regionalmuseum Ostwestfalen-Lippes. 1835 als Naturhistorische Sammlung gegründet, ...

Contact the institution

[Last update: ]

Usage and citation

Cite this page
The textual information presented here is free for non-commercial usage if the source is named. (Creative Commons Lizenz 3.0, by-nc-sa) Please name as source not only the internet representation but also the name of the museum.
Rights for the images are shown below the large images (which are accessible by clicking on the smaller images). If nothing different is mentioned there the same regulation as for textual information applies.
Any commercial usage of text or image demands communication with the museum.