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Krankenhausmuseum Bielefeld e.V. Eiserne Lunge/Atmung

Eiserne Lunge/Atmung

Atmung und Herz-Kreislauf-Funktion stehen in engem Zusammenhang. Die eiserne Lunge bildet den Mittelpunkt der Herzausstellung, ergänzend wird eine mobile Sauerstoff-Versorgungseinheit vorgestellt.
Die eiserne Lunge diente der künstlichen Beatmung vor Einführung der Beatmung durch eine Intubation (=dünner Kunststoffschlauch in der Luftröhre). Der Patient liegt, bis auf den Kopf, in einer luftdichten Kammer. Durch Erzeugung eines Unterdrucks in der Kam-mer wird der Patient „gezwungen“ einzuatmen, durch erneutes Einlassen von Luft in die Kammer erfolgt die Ausatmung.
Das Gerät war insbesondere in der Zeit der Polio-Epidemie lebensrettend. Dessen Einsatz wurde ab den 1960er Jahren durch die viel bessere künstliche Überdruckbeatmung mittels Intubation beendet.
Ein Betroffener berichtet: Ferdinand Schießl – das Leben in der eisernen Lunge:
„Zwei Wochen vor meinem 2. Geburtstag im Jahr 1958 erkrankte ich an Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz Polio genannt). Zu dieser Zeit durften Kinder erst ab dem 2. Lebensjahr dagegen geimpft werden, was für mich zu spät war (...). Die gefürchtetste Komplikation ist die Atemschwäche, die durch Lähmung der Atemmuskeln oder durch Schädigung des Atmungszentrums im verlängerten Mark eintreten kann. Diese Form traf mich. Mit Ausnahme der rechten Hand waren alle Extremitäten von der Lähmung betroffen, auch die Atemmuskeln. Innerhalb kürzester Zeit lief ich blau an, wurde auf schnellstem Wege ins Schwabinger Krankenhaus gebracht und sofort in die sogenannte "eiserne Lunge" gesteckt.
Dieses Gerät erzeugt abwechselnd Über- und Unterdruck, was einmal Ausdehnung, dann Zusammenpressen des Brustkorbes bewirkt. Dadurch wird erst Luft eingesogen und da-nach ausgepresst, der Körper wird sozusagen zum Atmen gezwungen. Lange Zeit lag ich nun 24 Stunden am Tag in diesem, damals monströsen Blechkasten, der Körper herme-tisch abgeschlossen, nur der Kopf befand sich außerhalb. Eine enge Manschette um den Hals gewickelt verhinderte, dass Luft aus der Kammer entweichen konnte. Ich war etwa 4 Jahre alt als man begann, das Gerät immer wieder für kurze Zeit abzuschalten, um zu sehen, wie ich reagierte. Ich reagierte panisch, hatte Todesangst, fühlte mich hilflos. Doch eines Tages schnappte ich verzweifelt nach Luft und auf wundersame Weise schaffte ich es, den lebensnotwendigen Sauerstoff mit Hilfe des Kehlkopfes in die Lunge zu pressen“ (ferdinand-schiessl.com).
Diese spezielle Atemtechnik nannte er „Froschatmung“. Ferdie Schießl lebte bis 2014, die letzten Jahre zusammen mit seiner Freundin Karin. Mit ihrer Hilfe war es ihm zehn Jahre zuvor gelungen, sich auch nachts aus der eisernen Lunge zu befreien.

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Mobile Sauerstoffversorgungseinheit Dräger

Sauerstoff-Insufflationsgerät mit Hauptventil/Handanschluss, O²-Druckmesser/Feinregelventil und Injektor für Unterdruck-Erzeugung (Möglichkeit zum Absaugen der Atemwege); O²-Anfeuchter (-Sprudler), -Maske und -Brille, Aufkleber und Beschriftung: Dräger Werk AG Lübeck, blau-weiße Dräger-Prüfplakette ohne Markierung einer der Jahreszahlen von 86-91. Auf drei Gummirollen, teilweise unrund laufend. Ansonsten voll funktionsfähig. Sauerstoff-Flasche leer. Mit Aufbewahrungskasten für Zubehör. Anleitung für ein Modell ohne Absaug-Vorrichtung liegt im Original vor.

Mobile Sauerstoffversorgungseinheit Dräger

Eiserne Lunge Dräger Modell E 52

Eiserne Lunge nach Brüner/Rindfleisch. Kammer mit rollbarer Wanne für den Patienten. Ab 1986 Lagerung im Bunker des Krankenhauses. Standfläche 2,20 x 0,90 m.
Plexiglas-Dom Kopfteil (zur zeitweisen Überdruck-Beatmung), Hammerschlag-grüne Lackierung, Gusseisen, z.T. Chrom, 4 Sichtfenster und 3 Dichtungsklappen. Messinstrumente und schwarze Kunststoff-Bedienelemente zur Einstellung der Beatmungs-Parameter. Fahrgestell auf Rollen. Mod. E52, Nr.429/30. Preis (1953): 14.000 DM. Kopfteil-Halterung teils verbogen. Stoffbespannung für Kopfteil nachträglich angefertigt. Halskrause aus Schaumstoff nachgebildet. Original-Beleuchtung und Mechanik intakt (10.10.19). Hydraulik: zeitweise Ölverlust

Eiserne Lunge Dräger Modell E 52

Lungenmodell

Lungenmodell in einem Schauglas, das nach unten offen ist. Der Flaschenhals ist mit einem Stopfen versehen. Dieser hält ein Y-Röhrchen, an dem wiederum zwei Luftballons befestigt sind.
Der Boden ist hermetisch durch eine bewegliche Gummimembran verschlossen, mit der Funktion des Zwerchfells. Die beiden Lungenflügel werden durch zwei auf Glasröhrchen gesteckte rote Luftballons dargestellt. Durch die Bewegung der Gummimembran werden die Luftballons zusammengedrückt bzw. mit Luft gefüllt und somit die Zwerchfellatmung demonstriert.
Das Modell ist gut geeignet, um die Atemmechanik sowie die Wirkungsweise der eisernen Lunge verständlich zu machen. Grenzen: Die Funktion der Rippen und der Zwischenrippenmuskulatur sowie die Aufgabe des Lungenfells (Rippenfell/Lungenfell) werden nicht verdeutlicht.

Blauer Aufdruck auf der Flasche und auf dem Y-Stück: Liebisch Labortechnik

Lungenmodell